Grafiker *) – Resilient und in Disruption geübt

*) Für das Wort Grafiker gerne andere Berufsbezeichnungen in der Druckvorstufe, Medienproduktion und Kreation einfügen.

Mit Canva designen wie ein Profi – ich zeige dir wie.

Das Webinar findet am 19. Mai 2021 von 19-20 Uhr statt und hier ist der Link zur Anmeldung.

Heute ist Weltgrafikertag. Und ausgerechnet heute, möchte ich damit starten, mein kostenloses Webinar zu Canvas zu promoten. Aber was ist diese Canva überhaupt?

Canva ist eine App, mit der du in Windeseile deine Marketingunterlagen und Arbeitsmaterialien selbst gestalten kannst. Wobei gestalten fast ein bisschen viel gesagt ist, denn eigentlich ist schon alles fertig. Du musst das Template “nur” noch mit Content füllen.

Was ist ein Template?

Ein Template ist ein schon fertiges Layout, das aus Platzhaltern besteht (für noch von dir einzufügende Inhalte wie Bilder und Text). Das ganze stammt ursprünglich aus der Webanwendung – und was haben wir uns damals alle gefreut, als wir nicht mehr coden mussten und nur noch die Texte und Bilder unserer Kunden in WordPress reinschmeissen mussten 🙂

Gestern habe ich eine Diskussion in einem Forum verfolgt, in der es genau um dieses Thema ging. Die Angst der Kreativen vor Tools wie Canva und Co. Die Frage, ob es überhaupt noch Sinn macht eine Ausbildung, zum Beispiel als Mediengestalter zu beginnen, wo doch jetzt alle mit diesen Tools ihre Sachen selber machen.

In meinen Augen ist die Sorge völlig unbegründet – denn ein Programm oder ein App ist immer nur so gut, wie der Anwender es auch zulässt. Wer keinen gerade Nagel in die Wand kloppen kann, hat es auch schwer, ein Ikearegal aufzubauen. Genauso ist es mit Templates. Wer kein Gespür für Farbe, Bilder, Typo und Layout hat, wird niemals einem Grafiker den Rang ablaufen. Aber wer ein kleines bisschen Gespür und Sinn für Ästhetik hat (und im Grunde haben wir das doch alle, oder?), der ist in der Lage, seinen Eigenbedarf zu decken.

DTP

Die Gefahr für Medienschaffende ist am Ende doch sehr viel geringer, als es der disruptive Wandel der mit dem ersten DTP Rechner Einzug erhielt, war. 1985 führten apple, adobe, Aldus und Linotype die ersten DTP-Rechner ein. Das hieß damals für uns Setzer, dass ein 500 Jahre altes System vom Drucken mit beweglichen Lettern überflüssig wurde. Plötzlich war alles digital. In dem einen Jahr lernte man noch ein Handwerk und im nächsten war man IT-Experte – so ungefähr war das damals. 1987 wurde QuarkXPress eingeführt und der Umgang mit den Layout-Programmen (Word ist im übrigen KEIN Layoutprogramm, sondern zu Textverarbeitung gedacht) wurde bis heute von Jahr zu Jahr immer komfortabler, einfacher aber in der Tiefe auch komplexer. Kaum einer weiß um alle Geheimnisse und alle magischen Kräfte, die ein Adobe-Produkt mit sich bringt, so komplex sind sie.

Anfang der 90er, als die ersten Privatmenschen und Unternehmer das DTP (Desktop Publishing) für sich entdeckten hatten, wurde in den Büros fleissig gestaltet und design. Auf einmal konnte jeder seine Geschäftsdrucksachen und Visitenkarten selber setzen. Aber waren die schön? Nein, waren sie nicht, weil es keiner konnte. Aber sie dienten dem Zweck. Oder sie taten es nicht und man griff zu guter Letzt doch auf den Grafiker zurück.

Wie es uns Schriftsetzern, Lithografen, Reprografen (beliebig erweitern) in der Druckvorstufe mit der Einführung des ersten Apples erging ist nur eine Geschichte von vielen. Und auch ist es nur eine Branche von vielen. Überall müssen wir uns verändern, neu justieren und manchmal auch eben einen Jobverlust in Kauf nehmen, weil der alte plötzlich nicht mehr ist.

Gerade in den letzten 12 Monaten ist unser Leben zusätzlich durch die Pandemie extremst unsicher und in vielen Bereichen disruptiv geworden. Kann man damit umgehen lernen? Kann man sich darauf vorbereiten?

Ich glaube ja, kann man und ich finde am heutigen WELTGRAFIKERTAG können sich alle aus der Branche mal kräftig auf die Schulter klopfen. Es ist extrem viel Willen und Energie notwendig, um immer wieder neues dazu zu lernen. Um immer wieder auszustehen, das Krönchen zu richten und sich erneut auf komplett neue Gegebenheiten einzustellen. Und trotzdem oder vielleicht genau darum, streben immer noch viele hochengagierte und gute Leute in diese Berufe. Auch, wenn wir jetzt schon wissen, dass wir in 5 Jahren nicht mehr so arbeiten werden, wie heute…

Berufe in der Medienbranche sind für mich immer noch ein Beruf mit Zukunft und wer mit der Veränderung geht und sich weiterentwickelt wird auch weiterhin seine Positionierung und genau die Kunden finden, die zu ihm passen. Ich wünsche das all den lieben Kollegen da draußen, heute am Weltgrafikertag (von dem ich überhaupt nicht wusste, dass es ihn gibt).